Hähnchen- und Putenhaltung in Deutschland

Vom Schlupf bis zum Ausstallen – ein Überblick

Geflügel gehört seit jeher zu den Nutztieren des Menschen. Heute ist vor allem die Haltung von Hähnchen und Puten ein wichtiger Teil der deutschen Land- und Ernährungswirtschaft. Das liegt unter anderem daran, dass die Nachfrage aufgrund der wachsenden Beliebtheit von Geflügelfleisch stetig steigt. Rund 90 Kilogramm Fleisch isst jeder Deutsche im Jahr. Mit 19,6 Kilogramm Pro-Kopf-Verbrauch im Jahr 2015 nimmt Geflügelfleisch damit bereits rund 22 Prozent des gesamten Fleischkonsums in Deutschland ein und ist beliebter denn je.

Wie Hähnchen und Puten in Deutschland gehalten werden

Hähnchen in der Nahaufnahme unter einer Tränke. Das Hähnchen berührt mit dem Schnabel das rote Wasserauffangbehältnis

Hähnchen und Puten werden in Deutschland immer in Bodenhaltung aufgezogen. Die Höfe der Geflügelhalter sind oft schon seit Generationen in Familienbesitz. Bevor die Puten- und Hähnchenküken auf diese Höfe und in die Geflügelställe kommen, werden sie in einer Brüterei ausgebrütet.

In den weitläufigen, meist mehrere tausend Quadratmeter großen Ställen, die den Hähnchen und Puten zur Verfügung stehen,

  • gewährleistet eine festgelegte maximale Besatzdichte, die immer erst gegen Ende der Aufzucht erreicht wird, jederzeit die Bewegungsfreiheit der Tiere,
  • haben die Tiere permanent Zugang zu Wasser und auf das jeweilige Alter abgestimmtes Futter,
  • gibt es einen Tag-Nacht-Rhythmus durch Offenställe, Lichtöffnungen und Beleuchtung,
  • sorgt moderne Stalltechnik jederzeit für eine optimale Temperatur und Luftqualität,
  • erlaubt die Einstreu, wie zum Beispiel Stroh oder Hobelspäne, mit denen der Boden bedeckt wird, typische Verhaltensweisen wie Scharren, Picken und Staubbaden. Außerdem bindet die Einstreu Ausscheidungen und sorgt für ein günstiges Mikroklima im Stall.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse von Puten und Hähnchen

Die Haltung von Hähnchen und Puten unterscheidet sich allerdings. Puten werden vorwiegend in sogenannten Offenställen mit direkter Luftzufuhr und Tageslicht gehalten. Hähnchen werden daneben zumeist in geschlossenen Ställen aufgezogen. Hier sorgen Einfallflächen für Tageslicht und Belüftungsanlagen für frische Luft. Sowohl bei Hähnchen als auch bei Puten werden die männlichen und die weiblichen Tiere aufgezogen. Aber: Hähnchen und Puten stellen während dieser Aufzucht andere Ansprüche, so

  • werden Puten nach Geschlecht getrennt aufgezogen, da Putenhennen und -hähne unterschiedlich wachsen – so kann der Halter besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Tiere eingehen. Die Aufzucht dauert bei Putenhennen rund 16 Wochen und bei Putenhähnen rund 22 Wochen.
  • haben Hähnchen eine Aufzuchtdauer von fünf bis sieben Wochen, wobei männliche und weibliche Tiere immer gemeinsam gehalten werden.

In Deutschland gelten strenge gesetzliche Vorgaben für die Geflügelhaltung. Sie bestimmen das tägliche Handeln der Geflügelhalter. Grundvoraussetzung, um Hähnchen und Puten in Deutschland halten zu dürfen, ist ein sogenannter Sachkundenachweis. Dieser Nachweis kann durch einen behördlichen Lehrgang mit abschließender Prüfung durch einen Amtstierarzt erlangt werden oder über einen der verschiedenen Ausbildungswege: Eine Ausbildung zum Tier- oder Landwirt mit einer anschließenden Zusatzqualifikation zum Tier- oder Landwirtschaftsmeister oder einem Studium der Landwirtschaft oder Nutztierwissenschaften.

Junge Puten in einem Putenstall, der mit Strohbedeckt ist vor einer roten Tränke, die von der Decke hängt.

Die Geflügelhalter gehen mindestens zweimal am Tag durch ihre Ställe und schauen nach ihren Tieren. Sie schauen sich das Erscheinungsbild und das Verhalten genau an, reagieren entsprechend und halten alles in dafür vorgesehenen Dokumenten fest. Bei der Arbeit im Hähnchen- und im Putenstall unterstützt den Halter heute auch moderne Technik. Sie sorgt dafür, dass Temperatur, Stallklima und Beleuchtung immer optimal für die Tiere eingestellt sind. Der Geflügelhalter überprüft die Computer regelmäßig und greift bei Bedarf kontrollierend ein. Doch nicht nur er kontrolliert die Haltung der Hähnchen und Puten, sondern zum Beispiel auch

  • ein Bestandstierarzt, der die Tiere vom Tag des Einstallens bis zum Ausstallen betreut. Im Krankheitsfall übernimmt er die Behandlung der Herde – sollte es einmal notwendig sein auch mit Medikamenten.
  • die unabhängigen Kontrolleure des QS-Prüfsystems für Lebensmittel, welche die Einhaltung der strengen Vorgaben bei angekündigten und unangekündigten Kontrollen überwachen.
  • ein amtlicher Veterinär, der am Ende der Aufzucht sicherstellt, dass nur gesunde Tiere den Hof verlassen.