Unsere Geflügel­halter

Die Menschen hinter der Geflügelhaltung

Hähnchenhalterin Ramona Harkers hockt hinter einer Futterbahn und neben ihren Hähnchen im Stall.

Ramona Harkers

Aus dem Alltag einer jungen Geflügelhalterin

„Die Tiere aufwachsen zu sehen und ein Gespür für ihr Wohlbefinden zu entwickeln, motiviert mich sehr.“

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Hähnchenhalter Diedrich Dammann hockt in seinem Stall mit Küken

Diedrich Dammann

Wie wird man Geflügelhalter? 

„Dafür zu sorgen, dass es den Hähnchen gut geht – das ist meine zentrale Aufgabe.“

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Herr Dammann, Sie sind auf einem Hof aufgewachsen, der schon seit Generationen im Besitz Ihrer Familie ist. War für Sie schon früh klar, dass Sie ihn übernehmen werden?

Als Heranwachsender wollte ich eigentlich nicht in die Fußstapfen meiner Eltern treten. Allerdings mehr aus Protest, weil mein Umfeld das eben von mir so erwartet hat. Als es dann aber um die Berufswahl ging, habe ich mich doch für die Ausbildung zum Landwirt entschieden und diese Entscheidung nie bereut. Erst habe ich nur Schweine und Rinder gehalten, wie es schon meine Eltern vor mir getan haben. Als ich aber gesehen habe, wie beliebt Geflügelfleisch in Deutschland ist und dass es immer beliebter wird, habe ich mich von den Rindern und Schweinen verabschiedet und 2001 den ersten Hähnchenstall bei uns auf dem Hof in Betrieb genommen.

Wie sah Ihre Ausbildung aus?

Ich habe Mitte der 70er zwei Jahre in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben gearbeitet, danach eine landwirtschaftliche Fachschule besucht und schließlich die Landwirtschaftsmeisterausbildung absolviert. Dabei habe ich vieles zur Aufzucht von Tieren, aber auch zur Pflanzenproduktion gelernt. Bei meinem Sohn, der heute Anfang 30 ist, sah die Ausbildung zum Landwirt schon etwas anders aus. 

Können Sie dieses „Anders“ etwas näher beschreiben?

Hähnchenhalter Diedrich Dammann hat sich zu einer Tränke in seinem Stall mit jungen Hähnchen heruntergebeugt und kontrolliert die Tränke.

Mein Sohn hat die Ausbildung zum Landwirt in drei Jahren an zwei Lernorten – also in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben und der Berufsschule – absolviert. Über die verschiedenen landwirtschaftlichen Betriebe hat er Einblicke in unterschiedliche Facetten der Landwirtschaft und auch der Geflügelhaltung bekommen.

Heute ist er gerade mitten in seiner Meisterausbildung. Neben fachpraktischen und fachtheoretischen Inhalten hat er hier auch einiges zu kaufmännisch-rechtlichen Inhalten gelernt. Das kommt unserem Betrieb natürlich zugute. Denn mein Sohn hat schon einige Teile unseres Betriebes übernommen. 

Welche Wege gibt es heute außerdem in die Geflügelhaltung?

Die Ausbildung zum Tierwirt und die angeschlossene Weiterbildung zum Tierwirtschaftsmeister oder aber auch ein Studium zum Beispiel der Fachrichtungen Agrar- oder Nutztierwissenschaften.

Welche Eigenschaften sollte ein Geflügelhalter Ihrer Meinung nach unbedingt mitbringen?

Er sollte bereit sein, mit der Natur und vor allem mit den Tieren zu arbeiten. Denn die Tiere zu beobachten, sich intensiv mit ihnen zu beschäftigen, um herauszufinden, wie es ihnen geht, gehört zu unserer zentralen Aufgabe und das jeden Tag – auch am Wochenende. Denn jeden Tag gehen wir mehrmals täglich in den Stall zu unseren Hähnchen. Mein Sohn und ich teilen uns dabei meistens auf, sodass sich jeder von uns zwei Ställe ansieht. 

Ihre Ausbildung liegt ja schon einige Jahre zurück. Wie halten Sie sich neben dem täglichen Kontakt mit den Tieren auf dem Stand der Dinge?

Der Hähnchenhalter Diedrich Dammann untersucht die Fußballen eines jungen Hähnchens in seinem Stall

Mein Sohn und ich nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil. So bietet die örtliche Erzeugergemeinschaft drei- bis viermal im Jahr Veranstaltungen zu saisonal wichtigen Themen an. Bei denen ist immer ein Tierarzt dabei. Im Sommer wird zum Beispiel über Maßnahmen referiert, mit denen man dem Geflügel bei Hitze helfen kann, sich abzukühlen.

Es werden die Dinge besprochen, die uns Haltern gerade unter den Nägeln brennen. Im Anschluss gibt es dann immer noch eine lebhafte Diskussion, an der sich alle beteiligen. 

Sie stehen also im regen Austausch mit Ihren Berufskollegen. Wie sieht es mit dem Austausch mit Kritikern aus?

Ich stehe für einen offenen Austausch mit allen Teilen der Gesellschaft ein, auch und gerade mit Kritikern. Ein Beispiel: Als wir 2012 unseren dritten Hähnchenstall bauen wollten, formierte sich eine Bürgerinitiative gegen das Neubauvorhaben. Die haben wir im Januar 2013 zum Tag der offenen Tür zu uns eingeladen. Wir wollten ihnen zeigen, wie es tatsächlich in einem Geflügelstall aussieht. Ich weiß, dass ich der Kritik nur mit Transparenz begegnen kann. Und die Stallbesuche kamen auch gut an. Stallbesuche haben wir im Übrigen auch schon mit Kindergartengruppen und Schulklassen durchgeführt. Und die positive Resonanz motiviert uns dazu, mit den Stallrundgängen auch in Zukunft weiterzumachen. 

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Putenhalters Hubert-Markus Brauweiler hockt in seinem blauen Schutzanzug in einem Stall. Im Hintergrund sind stehende und sitzende Puten und rote Tränken, die von der Decke hängen zu sehen.

Hubert-Markus Brauweiler

Warum Puten Spielzeug lieben

„Die Puten sind die Grundlage meines Lebens. Ich beginne jeden Tag mit ihnen.“

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Hubert-Markus Brauweiler ist mit den Puten groß geworden

Schon seitdem er denken kann, lebt Hubert-Markus Brauweiler mit Puten. Er ist auf einem Bauernhof, in einem landwirtschaftlichen Betrieb groß geworden. Der Hof gehörte bereits seinen Großeltern und dann seinen Eltern. Nachdem auf diesem Hof zunächst Kühe und Schweine gehalten wurden, entstand 1986, also noch bevor Hubert-Markus überhaupt geboren war, der erste Putenstall. Als der zweite und auch der dritte Putenstall gebaut wurden, war Hubert-Markus Brauweiler bereits fünf. Heute ist er gemeinsam mit seinen Eltern für 21.000 Puten in drei Ställen verantwortlich. Neben den Puten gehören auch 100 Hektar Ackerland zum landwirtschaftlichen Betrieb der Brauweilers. Auf diesem Land werden Raps, Zuckerrüben, Erbsen und auch Weizen angebaut. Der Weizen wird dabei komplett an die Puten verfüttert.

Schon in seiner Kindheit hat Hubert-Markus Brauweiler mitbekommen, was es bedeutet, einen Hof zu führen. Und nachdem er die Berufsbilder Astronaut und Feuerwehrmann gedanklich hinter sich gelassen hatte, war für ihn klar: Er möchte die Arbeit seiner Eltern weiterführen. Und: Er hat den Anspruch an sich und seine Arbeit, immer besser zu werden. So hat er nach dem Abschluss der Realschule ein Wirtschaftsgymnasium besucht, um im Anschluss Landwirtschaft studieren zu können. Das Studium ist ein Weg, der in die Putenhaltung führt und der das nötige Wissen vermittelt, um Geflügel aufziehen zu dürfen. 

Jeder Tag beginnt mit den Puten 

Putenhalters Hubert-Markus Brauweiler geht in seinem blauen Schutzanzug durch seinen Stall, also durch seine Putenherde.

Die Puten stehen im Mittelpunkt von Hubert-Markus Brauweilers Arbeit: „Sie sind die Grundlage meines Lebens. Ich beginne jeden Tag mit ihnen“, betont er. Noch vor dem Frühstück gehen er und sein Vater in die drei Ställe und machen ihren ersten Kontrollgang. Sie überprüfen das Wohlergehen der Tiere, lockern die Einstreu auf oder säubern die Tränken und versorgen sich erst im Anschluss danach selbst – mit einem Frühstück.

Dann werden je nach Jahreszeit die Äcker bestellt oder es wird geerntet. Und natürlich muss sich Hubert-Markus Brauweiler auch in seinem Büro um buchhalterische Angelegenheiten kümmern. Er führt schließlich einen landwirtschaftlichen Betrieb. Später geht er dann noch einmal in die Ställe, um kurz vor Feierabend sicherzugehen, dass seine Puten alles haben, was sie brauchen.

Warum Hubert-Markus Brauweiler ein Holzgestell in seinem Putenstall hat

Und Puten brauchen so einiges. Sie stellen in der Haltung ganz besondere Anforderungen. So ist ihr Futter zum Beispiel in sechs verschiedene Phasen unterteilt. Die unterschiedlichen Phasen sind genau auf das Alter und die Ansprüche der Tiere abgestimmt. Hubert-Markus Brauweiler erzählt, dass die Tiere mit dem Älterwerden immer weniger Eiweiß und immer mehr Energie im Futter brauchen. Neben dem Futter sind zum Beispiel auch die sogenannten Strukturierungselemente im Stall besonders wichtig für Puten. Denn weil Puten sehr agil und sehr neugierig sind, hat Hubert-Markus Brauweiler in seine Ställe Strohballen gestellt, auf die sich die Tiere setzen können. 

Außerdem hat er eine Empore gebaut – eine Art Holzgestell – die freisteht. „Die Puten“, erzählt der junge Geflügelhalter, „sitzen von Natur aus gern hoch. Und sie nutzen diese Strukturierungselemente, um ihre Rangordnung auszuleben.“ Denn während die ranghöheren Tiere auf der selbstgebauten Empore sitzen, halten sich die rangniederen darunter auf.  

Puten lieben Spielzeug

Außerdem mögen es Puten bunt und laut. Sie brauchen „veränderbares Beschäftigungsmaterial“. Diese Gegenstände, die von den Puten bepickt und dadurch verändert werden können, sind seit der Novellierung der „Bundeseinheitlichen Eckwerte“ im Jahr 2013 Pflicht in jedem Putenstall in Deutschland. Dazu gehören neben den genannten Strohballen auch Heuhaufen und Picksteine. 

Putenhalters Hubert-Markus Brauweiler beugt sich über ein rotes Behältnis mit Putenfutter und hat einiges des Futters in die Hand genommen.

Puten sind aber sehr wählerisch und verlieren schnell das Interesse an einem Spielzeug. Deshalb variiert Hubert-Markus Brauweiler. Er gibt seinen Puten zum Beispiel eine Verschlusskappe von Getränkeflaschen zum Spielen. Schnappt sich eine Pute diese, so wollen die anderen sie auch haben. Es beginnt eine Art Verfolgungsjagd, bis die Pute mit der Verschlusskappe diese verliert. Dann nimmt eine andere Pute den Deckel auf und das Spiel beginnt von neuem.

Daneben hat Hubert-Markus Brauweiler es auch mit einer rot-weißen Absperrkette versucht. Er hat diese über die Fütterung gehängt und festgestellt, dass ihr klimperndes Geräusch den Puten sehr gut gefällt. Wird ein Spielzeug langweilig, muss es ausgetauscht werden. „Manchmal reicht es, den Gegenstand einfach für einen Tag aus dem Stall zu nehmen – am nächsten Tag ist das Interesse schon wieder geweckt“, weiß der Putenhalter aus Erfahrung. 

Als Putenhalter gleicht kein Tag dem anderen

Heute kann sich Hubert-Markus Brauweiler nicht vorstellen, etwas anderes zu machen. Er schätzt an dem Beruf des Putenhalters vor allem, dass kein Tag dem anderen gleicht. Denn auch wenn es eine gewisse Routine gibt, so stellen sich ihm doch täglich andere Aufgaben. Auch die Arbeit in und mit der Natur, die Tatsache, dass er mit seiner Familie arbeitet, und natürlich der Umgang mit den Puten machen für ihn seinen Beruf zu etwas ganz Besonderem. 

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